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R.E.M. - Thank you for the music!
supersonic_soul
Als ich mich heute mittag ein zweites Mal aus dem Bett gequält habe, um mit meiner Mutter gemeinsam zu essen, wurde ich in der Küche mit den Worten empfangen: "Weisst du, wer sich auflöst und aufhört?" Mir schwante schon sehr Böses - um ehrlich zu sein, mein erster Gedanke war, dass Bruce Springsteen nie mehr mit seiner E Street Band auftritt oder so. Im Juni ist ja auch erst sein großartiger Saxophonist Clarence "Big Man" Clemons verstorben... Jedenfalls musste es irgendetwas ganz schlimmes sein, wenn meine Mama schon so anfängt.

Und dann der Schock - R.E.M. gaben heute ihre Auflösung bekannt! Nach 31 Jahren ist Schluss, die Musikgeschichte dieser Band ist geschrieben - wahrscheinlich für immer. (auch wenn böse Zungen jetzt natürlich schon von einer Reunion in ein paar Jahren sprechen, wenn das Geld dann alle ist...)

Ich bin schon irgendwie traurig. Laut last.fm habe ich zwar "nur" ca. 400 gespielte Titel dieser Band, aber R.E.M. gehört für mich mit zu der Musik, die ich von meiner Mutter "geerbt" habe. Meine Mama liebt R.E.M. schon solange ich denken kann, hat immer alle CDs gekauft und hoch und runter gehört. Ich kenne die meisten uralten Lieder, so wie man die Hörspiele seiner Kindheit auch nach 15 Jahren immer noch auswendig mitsprechen kann. Das ist einfach ein Gefühl von zuhause. Wunderbar fand ich es, als ich für 3 Monate in Irland war und meine Gastmutter ebenfalls so ein großer R.E.M.-Fan war - da wurde das Heimweh dank der Musik schon ein bisschen weniger. 
Und seit ich auch aktiv einen eigenen Musikgeschmack ausgebildet habe, gehörte R.E.M. für mich automatisch mit dazu. "Collapse Into Now", das aktuelle Album hat mich auf meiner Pilgerreise auf dem Jakobsweg im März begleitet (und seine Sache sehr gut gemacht).
Letztens erst schickte ich "ÜBerlin" einer guten Freundin, die jetzt nach Berlin ziehen wird und dieses eine Lied sagt so viel, fasst unsere ganze Freundschaft und alles so perfekt zusammen.

R.E.M. ist für mich nicht nur irgendeine Band, die ein paar recht radiotaugliche Songs geschrieben hat - Michael Stipe ist für mich ein großer Poet, der eine sehr zeitlose Melancholie immer wunderbar in Worte fassen konnte. Einsamkeit, Zweifel, Orientierungslosigkeit, Herz- und Weltschmerz -  und auf der anderen Seite Hits wie "Shiny Happy People" oder "Man on the Moon". Das alles ist R.E.M. - Pop ja, aber nie albern, seicht oder schwülstig. Vielen Dank an Michael Stipe, Mike Mills und Peter Buck. Vielen Dank für die wunderbare Musik, die brillianten Texte, für das Gefühl von zuhause-sein, für das Gefühl, verstanden zu werden, nicht allein zu sein. Im Moment fehlen mir irgendwie noch ein wenig die Worte - vielleicht werde ich ja eines Tages eine Hommage schreiben, die eurer würdig ist. :-)


This is my time and I am thrilled to be alive.
Living
Blessed 
I understand
Twentieth century 
Collapse Into Now!



Ihr werdet fehlen. Mir zumindestens. Und meiner Mama. Und dabei konnten wir euch doch bisher noch nie live sehen... Da wird wohl ein Punkt auf meiner Liste der "Dinge, die ich tun möchte, bevor ich sterbe" nie abgehakt werden können. Schade.
Um es mit den Worten von Hootie & the Blowfish zu sagen: "Dad's the one I love the most; but Stipe's not far behind."

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Tja, traurige Neuigkeiten, die ich jetzt tatsächlich erst durch Deinen Post mitbekomme (mein Mann hat's schon im Radio gehört, sagt er gerade). Aber sieh's einmal so - es gibt wenige Bands, die überhaupt derart lange zusammenbleiben.

Ich habe REM in den 80ern noch nicht richtig registriert, aber Anfang der 90er hat man da doch gerne zu getanzt auf Unifeten und so ;) Those were the days ... Aber so richtig intensiv habe ich sie eigentlich nie gehört, nicht mal in meiner verfrühten Midlife-Crises, in der ich nochmal angefangen habe, systematisch Musik zu hören und Platten (nach zu) kaufen. Sollte ich noch nachholen ;)

Hach, was das Musikalische angeht, habe ich sowieso manchmal das Gefühl, in der komplett falschen Zeit gelandet zu sein. So skurril oder makaber sich das vielleicht anhört, bei manchen Lieblingsmusikern nutze ich wirklich jede Gelegenheit sie live zu sehen, weil: wer weiß, wie lange das noch geht. Ich bin z.B. sehr, sehr, sehr glücklich, im November Bob Dylan und Mark Knopfler in Hannover sehen zu können. :-) Und dankbar, dass ich den Boss bereits mehrere Male live gesehen habe.
Die Sache bei R.E.M. war, denke ich, einfach, dass es ziemlich überraschend für alle kam, also sowohl für die Fans als auch für die Medien. Sie haben ja gerade im Frühjahr erst ein wirklich gutes Album rausgebracht, was sich von den letzten in seiner Qualität und Originalität doch etwas abgehoben hat. Wie auch immer, wir werden es überleben. Andere Mütter... gilt auch in der Musikbranche, vielleicht etwas abgewandelt als "andere Bands haben auch schöne Lieder" ;-)

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